Zinzendorfschule Tossens

 staatl. anerkannte Oberschule
und staatl. anerkanntes Gymnasium
der Herrnhuter Brüdergemeine
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26969 Butjadingen
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Eine Geschichtslehrstunde mit Musik und Tanz

Berlin 1938 – getanzte Freiheit“ als Musical der 10. Gymnasialklassen

Tossens. Zinzendorfschule zeigt traditionelles Musical zum Thema „Swing Kids“. Zeit des Nationalsozialismus auf Bühne wieder lebendig gemacht.

Das diesjährige Schülermusical der Klassen 10a1, 10a2 und 10e wurde gemeinsam von Wilhelm Magnus, Conny und Bo Howell auf die von Richard Howell gestaltete Bühne gebracht. Inspiriert durch den Film „Swing Kids“ hatten sie gemeinsam mit den Akteuren ein Stück über den Teil der deutschen Jugend entwickelt, der gegen den nationalsozialistischen Einheitsstaat und seine Jugendpolitik rebellierte, indem sie sich mit anglo-amerikanischer Kultur identifizierten, also dem Swing-Jazz huldigten, samt passender Kleidung, Tänzen und Frisuren.

Die Live-Band bestand aus Schülern (an Gitarre, Bass, Klavier, Schlagzeug, Cello, Klarinette und Baritonhorn), Wilhelm Magnus (Sologitarre), sowie Musiklehrerin Ute Extra und dem ehemaligen Schulleiter Jürgen Sprickerhof (beide Saxophon).

In der komplexen Handlung kamen viele Aspekte des Themas zum Tragen, wobei das dramatische Bühnengeschehen wo immer möglich durch musikalische Einlagen untermalt oder unterbrochen wurde. Neben deutschen Schlagern, „Ein Freund, ein guter Freund“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Bei dir war es immer so schön“, deutschem Swing, „Sie will nicht Blumen oder Schokolade“, „So ein Regenwurm hat's gut“, und amerikanischen Swing-Klassikern, „So what are you gonna Do?“, „When I get low I get high“, „The best things in life are free“ und dem Hit „It don't mean a thing if it ain't got that swing“ (als Zugabe) erklangen deutsches Volksliedgut und ein Nazi-Hymne.

Im Zentrum des Stückes steht eine Freundesgruppe, die gerade die Oberrealschule abschließt, natürlich auf getrennten Mädchen- und Jungenschulen. Ein großer Teil der Schüler hat sich ein den „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) oder die „Hitlerjugend“ (HJ) integrieren lassen und wird dort mit Propaganda des Führerstaats gefüttert. Ein kleine Gruppe verweigert sich der „Gleichschaltung“. Unter Missachtung aller Verbote und Drohungen hören sie gemeinsam Jazz-Platten, tanzen dazu und genießen ihre heimlichen Swing-Parties, bei denen sie sich vor der Entdeckung durch die Nazi-Organisationen oder die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hüten müssen.

Anton ist Gitarrist, Django-Reinhardt-Fan und deutscher Jude. Für seine Überzeugung bezahlt er mit von der HJ gebrochenen Fingern. Peter lehnt den Staat ab, ist bereit sich zu widersetzen und will sich angesichts des drohenden Krieges nicht auf eine Freundschaft mit der getauften Maria einlassen, deren Mutter Jüdin ist. Karl hat sich ohne innere Überzeugung der HJ angeschlossen, da er nur so seinen sportlichen Ehrgeiz befriedigen kann. Außerdem winkt ihm sozialer Aufstieg, wenn er als Kind armer Eltern an eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola) kommen kann.

Alberts kleiner Bruder ist bereits Jung-Nazi und schämt sich, weil sein Vater in „Schutzhaft“ war.

Mehrere Mädels gehören zu der Gruppe, wobei Anneliese nur „überwintern“ möchte, also die Nazi-Ära überleben, während andere sich nicht mehr mit kultureller Rebellion begnügen und aktiv Widerstand leisten wollen. Während der Druck des Regimes wächst und die Jugendlichen in die Schusslinie geraten, verteilen sie oppositionelle Flugblätter oder schließen sich den „Edelweißpiraten“, ehemaligen bündischen Jugendlichen, an. Ein Chor aus vier Mädels ergänzt das Drama um mehrere historische Informationsblöcke.

Dramatisch verläuft die Beziehung zwischen Eberhard und Sarah, dem nicht mehr ganz überzeugten Jungnazi und der schönen Tochter eines jüdischen Ehepaares, die, kaum das sie begonnen hätte, damit endet, dass er ihr dringend empfiehlt, mit ihrer Familie das Land zu verlassen.

Tragisch endet Albert, der seine abweichenden Überzeugungen im Tagebuch festgehalten hat und durch einen Sack über dem Kopf unkenntlich gemacht, ausgerechnet von seinem eigenen kleinen Bruder als „Volksverräter“ erschossen wird.

Das Ganze, technische gut unterstützt in Licht und Ton, natürlich in tollen Kostümen, mit gekonnter Maske und in überwiegend überzeugender Manier gespielt, überzeugt als gemeinsame Leistung eines Ensembles aus drei Klassen auf der Bühne der Zinzendorf-Schulaula.